Die zweite Fundraising Glücksgeschichte stammt von Uwe Koß, Fundraiser der Ev. Kirche in Hessen und Nassau. Er erklärt, weshalb erst das Teilen und nicht das Besitzen glücklich macht …
Vom Glück des Kamels im Nadelöhr – von Uwe Koß
Heute stelle ich Ihnen zwei bekannte Vertreter aus der Bibel vor. Den einen kann ich nur in verkleinertem Maßstab zeigen, sonst würde der Tierschutz protestieren: es ist das Kamel. Der andere Vertreter ist kaum zu sehen, autsch, darf ich vorstellen: Nadelöhr.
Den dazugehörenden Spruch kennen Sie: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ (Markus 10, 24) Größtes zurzeit Jesu bekanntes Landtier, Kamel, gegen kleines Nadelöhr – und das eine soll durch das andere hindurch? Einfach unmöglich. Man kennt diesen Spruch und man vergisst ihn am liebsten gleich wieder. Denn wer wollte schon ein Hausverbot im Reich Gottes ab einer gewissen Gehaltsgruppe aussprechen? Und wenn doch: Ab welcher Gehaltsgruppe eigentlich? Nach meiner Wahrnehmung ist das Gefühl von Reichtum immer subjektiv: Jeder kennt bestimmt jemanden, der eigentlich noch viel reicher ist als er. Aber schauen wir uns die Geschichte genau an:
Da kommt ein Mann zu Jesus und sagt: Was soll ich für das ewige Leben tun? Die Frage könnte auch heißen: Was würde mich wirklich glücklich machen? Antwort von Jesus: Gebote halten, und zwar die der sogenannten rechten Tafel der Zehn Gebote, sprich ethisch einwandfrei handeln: nicht töten, nicht lügen und so weiter. Der Mann sagt: Habe ich verstanden von Kindes Beinen an und ich halte mich dran. Und jetzt kommt ein Satz, der ist so unerhört, dass er nur beim Evangelisten Markus steht, während die beiden anderen, Matthäus und Lukas, ihn gestrichen haben: „Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb.“ Jesus gewann ihn lieb. Da steht nicht: Jesus würde ihn lieb gewinnen, wenn er alles weggäbe. Sondern erst von der gesicherten Basis – „Du bist okay“ – kommt die Frage: Kannst Du Dir vorstellen, dass nicht Dein Reichtum Dich glücklich macht, sondern erst das Teilen desselben?
Das ist so schwer, so unendlich schwer, dass dieser Mensch zurückzuckt – und Verständnis bei Jesus bekommt. Das ist wie das Kind auf der Mauer und der Vater steht mit offenen Armen und sagt: „Spring!“ Kann ich vertrauen, dass mich diese Arme auffangen? Kann ich vertrauen, dass ich verschenke, spende, abgebe, und bekomme selber genug wieder? Das ist noch viel anstrengender, viel herausfordernder als sich an die Gebote halten. Denn im Befolgen der Gebote sehe ich den direkten Nutzen: Ich bringe keinen um und kann deswegen hoffen, auch kein Messer in die Rippen zu bekommen; ich versuche bei der Wahrheit zu bleiben und kann mich auf das Wort des anderen verlassen. Aber wenn ich etwas weggebe: Was habe ich dann davon? Wo ist mein direkter Gewinn?
Wer so fragt – und diese Frage ist berechtigt, denn nur eine Firma die Gewinn macht, gibt es noch im nächsten Jahr – wer also so fragt, der knallt frontal gegen das Nadelöhr. Die Frage, warum zu teilen glücklich macht, warum zu geben zufrieden stellt, warum persönliche Vorteil nicht letzter Maßstab ist … all diese Fragen lassen sich in menschlichen Koordinaten kaum beantworten. Antworten auf diese Sinn- und Glücksfragen müssen aus einer Sphäre jenseits von uns Menschen kommen, müssen uns von Außen zugesprochen werden. Oder wie es Jesus ausdrückt: „Bei den Menschen ist‘s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.“
Wir kennen solche Momente, kurz vor dem Einschlafen, halb zwischen Wachen und Träumen oder im Wald, wo der Nebel sich über einem See lichtet oder in einer Kirche, sobald die Orgel einsetzt. Glücksmomente, mächtig und strahlend. Dann wird uns manchmal bewusst, dass unser Glück nicht wirklich in der irdischen Aktienrendite liegt, und dass es Menschen gibt, die uns und unsere Zuwendung – um Himmels willen – dringend bräuchten. Das Problem: In solchen Momenten glückhafter Erkenntnis ist das nächste Überweisungsformular weit entfernt. Und diese Einsichten sich zu behalten, ist schwieriger als sich die vier Ziffern der Geheimnummer der EC-Karte zu merken.
Fazit: Und doch brauchen wir solche Momente der Gottesbegegnung und Glückserkenntnis.
Weitere „Fundraisingglücksgeschichten“ gibt es in dem soeben erschienenen gleichnamigen Buch; herausgegeben von Helmut Liebs, Fundraiser der Evangelischen Landeskirche in Württemberg; erhältlich im Webshop des Evangelischen Medienhauses. 50 Cent jedes verkauften Buches gehen an die Stiftung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Schlagworte: fundraising, Glaube, Glück, Leben, Mut

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