Warum lieben Menschen Weihnachten so sehr? Ich denke, es sind die ganz unterschiedlichen sinnlichen Eindrücke für Nase und Mund, Augen und Ohren, die Weihnachten zum immer wiederkehrenden Erlebnis werden lassen. Besser hätte man ein Event nicht inszenieren können.
Apropos „inszenieren“: Momentan begegnet uns über ganz unterschiedliche Kanäle das Webvideo eines Weihnachts-Flashmobs, der am 13. November in den USA stattfand. Über 100 Sängerinnen und Sänger eines Chors mischten sich unter die Menschenmenge des Fastfood-Bereichs einer Shoppingmall und brachten dem erstaunten Publikum Georg Friedrich Händels „Hallelujah“ als Geschenk dar. Das Video dieses Flashmobs wurde über YouTube inzwischen zwanzig Millionen Mal abgerufen und ist auch auf anderen Plattformen wie „Vimeo“ ein Quotenhit.
Die Zutaten dieser Weihnachtsgeschichte: Eine soziale Skulptur als inszeniertes Erlebnis wird über die richtigen Kanäle verbreitet bzw. verbreitet sich selbst – weltweit, millionenfach. Wow!! Und was ist der Sinn dahinter? Einige Diskutanten auf YouTube vermuten religiöses Sendungsbewusstsein der Chormitglieder. Vielleicht ist es aber einfach die pure Freude, anderen eine Freude zu bereiten.
Diese Motivation, anderen eine Freude zu bereiten, kann man den internationalen Anhängern des „Bookcrossing“ auf jeden Fall unterstellen. Die Idee: Nimm ein Buch, das Dir gefällt und das Du ausgelesen hast, und hinterlege es an einem Ort Deiner Wahl, damit jemand anderes es findet und liest und gut findet und weitergibt und so weiter. Also Weihnachten das ganze Jahr! Die weltweite Bücherei der Bookcrosser wird begleitet von der Internetplattform www.bookcrossing.com. Dort kannst Du verfolgen, welche Bücher freigelassen oder gefunden wurden und wo die Bücher gerade unterwegs sind, die Du in Umlauf gebracht hast. Das funktioniert über einen Aufkleber mit einer speziellen ID, den Du vorne in das Buch klebst und auf der Website meldest, genau wie der Finder dann (hoffentlich). Das hat was von Geocaching mit Kulturanspruch. Es gibt Orte, „OBCZ“ (Offizielle BookCrossing Zonen) genannt, an denen Bücher regelmäßig gefangen und freigelassen werden. Also nicht wundern, wenn auf dem Spielplatz in Deiner Nachbarschaft ständig wechselnde Bücher auf einer bestimmten Parkbank vergessen werden. Der tiefere Sinn hinter Bookcrossing ist, Konsum und Materialismus einzudämmen und auch Menschen, die mit wenig Geld, aber viel Medienkompetenz ausgestattet sind, mit ausreichend Lesestoff zu versorgen.
Eher interkulturelle Kompetenz braucht, wer den folgenden, völlig verrückten Weihnachts-Webclip aus Indien anschaut und sich fragt, welches Bild Inder wohl von unserem Fest der Liebe haben müssen und warum der Weihnachtsmann dort auf heiligen Kühen reitet statt auf rotnasigen Rentieren. Darauf gestoßen bin ich als Einstimmung auf den Ort, an dem ich dieses Jahr Weihnachten verbringen werde. Meine eingegebenen Suchbegriffe waren „Christmas“ und „Bollywood“.
In diesem Sinne „Salam Xmas“.
Schlagworte: Dialog, gemeinsam, Kreativität, Leben, Medien, Nachhaltigkeit

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